Angehende Techniker der Flensburger Fachschule untersuchen energietechnischen Stand der Schleswiger Werkstätten

„EnEV“ oder Energieeinsparverordnung – „Heizlast“ oder Wärmebedarf eines Gebäudes – „U-Wert“ oder Wärmedurchgangskoeffizient von Wänden, Fenstern oder Türen – alles Fachbegriffe, die zur Beurteilung der Energieeffizienz eines Gebäudes gehören.

Im Frühjahr 2008 wurde nach einem innerbetrieblich eingereichten Verbesserungsvorschlag eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die sich mit Energieeinsparmaßnahmen beschäftigen wollte. Mitarbeiter der Haustechnik, der Werkstätten sowie der Geschäftsführung taten sich zusammen, um die alte Heizanlage zu prüfen, schlecht gedämmte Deckenöffnungen und undichte Fenster aufzuspüren, die Nutzung der Maschinenabwärme zu erforschen und sich Gedanken zu machen, in welcher Form regenerative Energieerzeugung eine Möglichkeit zur Kostensenkung bieten könnte. Bald erkannte man, dass Hilfe nötig war. Hier sprang die Klasse der Gebäudesystemtechniker der Fachschule für Technik und Gestaltung an der  ECKENER-SCHULE – Regionales Berufsbildungszentrum, RBZ Flensburg – ein. Die 12 Schüler machten sich während ihrer drei Projektwochen und zahlreichen zusätzlichen Stunden an Abenden und Wochenenden ans Werk, heute konnten Jan-Christian Rohde und Dennis Kirschning als Projektleitung eine umfangreiche Dokumentation im Rahmen einer Ergebnispräsentation dem Vorstand des Auftraggebers überreichen. „Wir haben viel gelernt, fachlich ebenso wie das Arbeiten in einer Projektgruppe, in der man sich aufeinander verlassen können muss!“ Während der Präsentation hatten die Schüler berichtet, dass zunächst der gesamte Betrieb digital erfasst wurde – es entstanden Grundrisse, Teilansichten sowie Querschnitte, alle als CAD-Zeichnung (Computer-Aided-Design oder Computer unterstütztes Zeichnen) hinterlegt. „So, nun kann´s los gehen!“ freute sich Alexander Urbanz, als die Zeichnungen abgeschlossen waren. Anschließend wurde die gesamte Gebäudehülle analysiert: Schwachstellen wurden fotografiert und dokumentiert, die U-Werte ermittelt und daraus überschlägig erste Berechnungen zum Heizbedarf gemacht. Ein Vergleich mit den tatsächlichen Energiekosten zeigte, dass die Größenordnung bereits stimmte. Sven Gummelt, Arbeitsgruppe „Gebäudehülle“, konnte nach zwei weiteren Wochen intensiver Berechnungen nicht nur genaue Verbrauchswerte angeben, er hatte sogar die Einsparungspotentiale verschiedener Renovierungsmaßnahmen parat: „Das Auswechseln aller Fenster und Türen aus den 70er Jahren verringert den theoretischen Energiebedarf bereits auf 70%, die zusätzliche Wärmedämmung der Fassaden ergibt einen Wert um die 50%. Decken und Böden können zunächst noch bleiben, das wäre zu teuer und würde kaum was bringen.“ Die Gruppe „Heizung“ erarbeitete für die möglichen Wärmemengen alternative Heizungskonzepte. Hans Werner Schwennsen meinte: „Man könnte natürlich die alte Ölheizung einfach erneuern, das würde schon einiges an Kosten einsparen, man wäre aber weiterhin von den fossilen Brennstoffen abhängig. Viel besser wäre die Umstellung auf Holzpellets als Energieträger.“ Und hier ergänzt Ralf Teegen von der dritten Gruppe: „Wenn man jetzt noch Solarthermie nutzt, wird´s noch günstiger. Und da haben wir uns für ein besonders einfaches und noch weniger bekanntes System entschieden: Luftkollektoren gebaut als doppeltes Dach erwärmen die Außenluft, die dann über Lüftungskanäle in den Räumen direkt verteilt wird.“ Abschließend ergänzt Sören Schöning, dass die Amortisationskosten je nach Ausführung zwischen knapp 5 und ca. 15 Jahren liegen können.

Nach der anschließenden Fachdiskussion dankt der Vorstand der Schleswiger Werkstätten, Herr Pade, der Klasse und den betreuenden Lehrern sehr für die Ausarbeitung, die eine gute Grundlage bieten wird, um sich nun intern für bestimmte Maßnahmen näher interessieren zu können.